Alles begann am 18. Oktober 1994 im Hotel „Jägerhof“

verfasst von Andreas Kossmann

Auf Einladung von Andreas Kossmann (damaliger 1. Vorsitzender des Kath. Junggesellenvereins 1797 Rheinbrohl) trafen sich die Vertreter der bis dahin karnevalstreibenden Vereine der „Perlen vom Rhein“, der Kolpingsfamilie sowie der Junggesellen.

Einen Vorläufer für diese Versammlung gab es übrigens auch schon, für den 1. April 1993 hatten karnevalistisch angehauchte Rheinbrohler zu einer Gründungsversammlung einer Karnevalsgesellschaft ebenfalls in den „Jägerhof“ eingeladen. Der damals noch angedachte Aprilscherz war dann allerdings doch zu offensichtlich, denn auf der veröffentlichten Tagesordnung direkt nach dem Punkt „Begrüßung“ den Punkt  „Totenehrung“ eines neuzugründenden Vereins einzuführen, war dann doch recht eindeutig.

Aus dem nun im Oktober 1994 formierten „Stammtisch zur Abstimmung und Optimierung der karnevalistischen Veranstaltungen“ heraus entstand der 1. „Nejer-Biwak“ am 8. Januar 1995 mit „Stars vum Bahnhof bes noh Arienheller“. Unter der Schirmherrschaft von Anton Schmahl (Ehrenkommandant der Kölner Altstädter), dem Rheinbrohler Alleinunterhalter Charly Breck, dem Tambour-Corps 1930 e.V. Rheinbrohl und den „Rheinbrohler“ Prinzen Reiner Buhr (Bad Hönningen) und Wolfgang Kruft (Linz) fand diese Veranstaltung im Saal des Hotel zum Jägerhof statt.

Zusammen mit anderen Rheinbrohler Ortsvereinen beteiligte man sich zuvor an einer Spendenaktion von RPR, wobei die Spendernamen auch im Radio verlesen wurden, dem Moderator muss dabei das Blatt auf mysteriöse, bis heute ungeklärte Weise verschwommen gewesen sein, jedenfalls lautete die erste überregionale Nennung „Stammtisch Rheinbrohler Karnevalrusten“ – eine sehr schöne, eigenartige Begriffkreation, die bis heute nicht aufgeklärt werden konnte.

Seit dem ersten „Nejer-Biwak“ gilt, dass die Musik in Form von Tanz und Gesang – neben den stets mit Spannung erwarteten Reden der närrischen Herrscher – im Vordergrund steht, so dass die Stimmung von der ersten bis zur letzten Minute garantiert ist.

Bei dem ersten karnevalistischen Frühschoppen wurden so viele Mitglieder aufgenommen, dass bald eine vereinsmäßige Gründung erforderlich wurde, diese fand am 10. Mai 1995 im „Monte-Jupp-Keller“ statt. Seither gibt es unseren (mit dem Namenszusatz „Kooperation zur Erhaltung und Förderung rheinischen Brauchtums“).

Zum ersten 1. Vorsitzenden wurde Stefan Hohn gewählt, zum Kassierer Frank Kaufmann (bis heute ununterbrochen und äußerst fürsorglich im Amt) und zum Schriftführer Gero Scharrenbach. Die Leitung des Neger-Biwaks wurde den jeweiligen Präsidenten der Kolping und der „Perlen vom Rhein“ übertragen, dies waren zu Beginn Andreas Kossmann und Klaudia Kruft Heumann.

Aus diesen Anfängen heraus entwickelte sich bis heute eines der größten Narren-Treffen am Mittelrhein (jeweils drei Wochen vor dem Karnevalswochenende). Aus dem kleinen Saal des „Jägerhofs“ ist längst der große „Römer“-Saal geworden mit einem zuletzt über siebenstündigen närrischen Stell-Dich-ein zahlreicher Karnevalsvereine, Prinzen und Tanzgruppen aus Nah und Fern.

Diese Entwicklung ist insbesondere der Verdienst des langjährigen 1. Vorsitzenden Klaus Roos, der seine Mitstreiter jedes Jahr neu motivieren kann um ein solches Mammut-Programm auf die Beine zu stellen. Dies aber nicht nur auf der Bühne, sondern beide Säle werden stets in einen Narhalla verwandelt, in dem sich dann nicht nur die einheimischen „Nejer“ sondern auch die zahlreichen Gäste, die sich den ganzen Tag über die Klinke in die Hand geben, wohlfühlen. Die SRK-Mitglieder kümmern sich dabei auch selbst darum, dass niemand der Gäste Durst leiden muss.

Immer dann, wenn ein Rheinbrohler Prinz wird oder ein Prinz in Rheinbrohl wohnt, führt der SRK auch einen Prinzenempfang zusammen mit der Firma Optik Weißenfels durch. Im Jahr 2017 zuletzt mit Prinz Christoph I.  Ebenso wird natürlich das jeweilige Rheinbrohler Kinderprinzenpaar bzw. zuletzt die Kinderprinzessinn mit in die Programmgestaltung eingebunden und sie erhalten die Ehrungen des Vereins.

Unterstützt wird der SRK auch von einigen Rheinbrohler Tanzgruppen, welche Rheinbrohl bei den auswärtigen Vereinen vertreten, um sich für den Besuch beim „Nejer-Biwak“ zu revanchieren und zu bedanken. Wichtig ist zudem der Kontakt zu allen Rheinbrohler und auswärtigen befreundeten Vereinen. Die Veranstaltungen der „Perlen vom Rhein“, der Kolpingsfamilie und der Junggesellen werden gerne und stets in den entsprechenden Neigungsgruppen besucht.

Weitere Aktivitäten, die in der Vergangenheit durchgeführt wurden und sich teils bis heute gehalten haben sind Fahrten zu den Sitzungen der Willy-Ostermann-Gesellschaft in Köln, Auszeichnung verdienter Rheinbrohler Karnevalisten, Betreuung und Bepflanzung eines Kelters an der Ecke Kolping-/Maria-Hilf-Straße.

Im Jahr 2005 wurde das 11-jährige Jubiläum mit einem rheinischen Abend auf der MS „Schloss Arenfels“ gefeiert, mit viel Musik an Bord startete das Schiff auf dem Rhein und die geladenen Gäste erlebten einen wunderschönen Abend. Zum 22 jährigen Jubiläum im Jahr 2016 wurde dieses Event auf der „Stadt Vallendar“ wiederholt.

Mit dem Begriff „Nejer“ ist es natürlich so eine Sache -vergleichbar etwa mit dem Prädikat „Made in Germany“ – zunächst von anderen Ortschaften (vor allem aus dem Norden der Republik) als Schimpfwort ins Leben gerufen „das Nejerdorf am Römerwall“ hat er sich heute längst als Qualitätsbegriff erwiesen. „Nejer“ wird man dabei eben auch nicht so einfach, wer nicht aus Rheinbrohl kommt, sondern quasi „herjelaafen“ ist kann das nachvollziehen. Es ist die Gnade der Geburt, die nicht so einfach zu erwerben ist. In den Anfangsjahren des „Nejer-Biwaks“ gab es auch einen benachbarten Verwaltungschef der ganz aufgeregt in der Verbandsgemeindeverwaltung anrief und dort fragte, wie man es denn zulassen könne, dass eine Veranstaltung mit einem solchen Namen durchgeführt werde, schnell wurde erklärt, dass es sich hier um die Rheinbrohler „Nejer“ handle und dies keinesfalls rassendiskriminierend sei, der Verwaltungschef war beruhigt und die Veranstaltung konnte weiterhin unter dem geführten Namen fortgesetzt werden. Durch den heute überregionalen „Nejer-Biwak“ weiß man natürlich, da wo die „Nejer“ zu hause sind, herrschen rheinischer Frohsinn und (mindestens seit fünf Jahren) Welt-Kultur!

Ein Treffen zur Gründung einer „Nejer-Garde“ ergab keine weitere Verfolgung eines solchen Projektes, denn man vereinbarte die bereits bestehenden Aufgaben zu erfüllen vor allem den „Nejer-Biwak“ weiter zu entwickeln.

Für viele Hünnijer Prinzen in den letzten Jahren wäre diese Heimat-Garde sicherlich eine Bereicherung gewesen. Und die „härteste Währung“ bei den Veranstaltungen des Stammtischs waren die tonnenweise ausgegebenen süßen Orden, „denn der wahre Hochgenuss ist ein echter Nejer-Kuss“. Aber auch die „normalen“ Orden lassen sich sehen, so wurden beim ersten „Neger-Biwak“ Neger-Masken von Café Schmidt gebacken und in den folgenden Jahren die Orden selbst hergestellt, hin und wieder auch in Nachtschichten, so gab es am Ende stets Unikate. Mittlerweile werden die Orden bei professionellen Herstellern bestellt.